Lohnsteuerausgleich unbedingt durchführen: Kein Geld zu verschenken

 

Durch den Lohnsteuerausgleich, der jetzt ArbeitnehmerInnenveranlagung heißt, können wir Beschäftigten, die nur von unserem Lohn leben müssen, uns Teile davon vom Finanzamt zurück holen. Dabei können Beschäftigte Freibeträge, Abschreibeposten und verschiedene Absetzbeträge geltend machen, die – wenn sie anerkannt werden – im Nachhinein die Bemessungsgrundlage für die Lohnsteuer vermindern. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man sich im Beruf weitergebildet hat, im Haus neue Fenster einbauen ließ oder aufgrund einer Krankheit Diät einhalten muss.

Wie geht’s?

Wir Beschäftigten haben ohnehin viel geringere Möglichkeiten zum Steuern sparen als etwa die Unternehmen oder die Besitzenden. Die ArbeitnehmerInnenveranlagung kann bis zu fünf Jahre im Nachhinein (d.h. für 2001 bis 2006) durchgeführt werden und das ohne großen Aufwand per Internet oder direkt beim Wohnsitzfinanzamt.
Wir können diese immer machen. Auf jeden Fall sollten wir sie machen, wenn wir im Kalenderjahr so wenig verdient haben, dass wir keine Lohnsteuer – aber Sozialversicherungsbeiträge – bezahlt haben (Lehrlinge, Teilzeitbeschäftigte) und sich so der AlleinverdienerInnen- bzw. der AlleinerzieherInnenabsetzbetrag und mögliche Kinderzuschläge nicht auswirken konnten, aber auch wenn von Teilzeit auf Vollzeit oder umgekehrt gewechselt bzw. zu Arbeiten begonnen wurde.

Negativsteuer

Wurde keine Lohnsteuer entrichtet, bekommen wir die sogenannte Negativsteuer zurück. Dabei werden 10% der Sozialversicherungsbeiträge (maximal 110 € jährlich) und zusätzlich bei Anspruch auf den AlleinerzieherInnen- oder AlleinverdienerInnenabsetzbetrag (mindestens ein Kind) mindestens 494 € jährlich rückerstattet. Beziehen wir für mehr als ein Kind Familienbeihilfe erhöht sich dieser Betrag je nach Anzahl der Kinder.
Im Folgenden zeigen wir an Hand einiger weniger Beispiele, was alles möglich ist.

Familie

Als AlleinverdienerIn bzw. AlleinerzieherIn bekommen wir bis 2003 364 € jährlich. Seit 2004 hat sich der Absetzbetrag bei einem Kind um 130 €, beim zweiten Kind um zusätzlich 175 € sowie bei jedem weiteren Kind um zusätzlich 220 € jährlich erhöht, also geht es um ganz schöne Beträge!
AlleinverdienerIn sind wir dann, wenn wir im betreffenden Kalenderjahr mehr als sechs Monate verheiratet waren, mit dem/der PartnerIn im gemeinsamen Haushalt lebten und dieseR nicht mehr als 2.200 € (ohne Kind) bzw. 6.000 € (mit Kind) jährlich (4.400 € bis 2003) verdient hat oder nicht verheiratet waren, aber in einer Lebensgemeinschaft lebten, für mindestens ein Kind mehr als sechs Monate Familienbeihilfe bezogen haben, und der/die PartnerIn nicht mehr als 6.000 € (4.400 € bis 2003) jährlich verdient hat.
AlleinerzieherIn sind wir, wenn wir im betreffenden Kalenderjahr mehr als sechs Monate nicht in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft lebten und für mindestens ein Kind mehr als sechs Monate Familienbeihilfe bezogen haben. Für Kinder, die nicht mit uns im gemeinsamen Haushalt leben, kann der sogenannten Unterhaltsabsetzbetrag abgesetzt werden, sofern für diese zumindest der gesetzliche Unterhalt (Alimente) geleistet wurde.

Sonderausgaben

Wenn wir für uns, den/die EhepartnerIn oder Kinder (für die Familienbeihilfe bezogen wird) Kranken-, Unfall-, Renten- oder Lebensversicherungen bezahlen, sind das Sonderausgaben. Das Gleiche gilt für freiwillige Weiter- und Höherverssicherungen und den Nachkauf von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung. Die Bestätigung für das Finanzamt bekommen wir immer Anfang des nachfolgenden Jahres von der jeweiligen Versicherung zugeschickt.
Wohnraumschaffungs- bzw. Wohnraumsanierungskosten sowie dafür verwendete Kreditrückzahlungen sind ebenso von der Steuer absetzbar wie Kosten für Wohnraumsanierung (Material und Montage), wenn diese von einem befugten Unternehmen durchgeführt wurden.
Unter den Sonderausgaben können aber auch der Gewerkschaftsbeitrag und die Betriebsratsumlage geltend gemacht werden, ebenso wie Aus- und Fortbildungskosten.
Für die Höhe von Sonderausgaben gibt es Grenzen. Liegen sie unter 240 € jährlich, so wurden sie bereits beim Arbeitgeber berücksichtigt. Die Höchstgrenze hängt davon ab, ob wir allein, mit PartnerIn, mit oder ohne Kind(er) sind. Der Höchstbetrag dafür beträgt jährlich bis zu 7.300 €. Ein Viertel dieses Betrages wirkt sich steuermindernd aus.
Also: Holen wir uns unser sauer verdientes Geld zurück!

Links:

* Broschüre der ArbeiterInnenkammer mit vielen Details
* Formular für die ArbeitnehmerInnenveranlagung