Einkommensverteilung: Arm und Reich in Österreich

Die Lohnabhängigen in Österreich erhalten einen immer kleineren Anteil am Volkseinkommen. Besonders betroffen sind 1. Frauen, die durchschnittlich seit dem Regierungsantritt von SchwarzBlauOrange 12% Reallohnverlust erlitten, und 2. öffentlich Bedienstete, die in den letzten 10 Jahren einige Lohnabschlüsse unter der Inflationsrate hinnehmen mussten.

 

Fakten

Die ausbezahlten Löhne und Gehälter steigen kaum. Geringer jedenfalls als das gesamte zu verteilende Volkseinkommen. Obwohl der Anteil der lohnabhängig Beschäftigten an allen Erwerbstätigen steigt, fällt der Anteil der Löhne am Volkseinkommen! Die Aufteilung des Volkseinkommens wird also immer ungerechter!
Während die Lohnquote, also der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen, Ende der 1970er noch fast 80% betragen hat, liegt sie seit 2002 unter 70%. Tendenz weiter sinkend!

Ursachen

Die Verteilung des Volkseinkommens wird immer ungleicher, weil die Zahl atypisch Beschäftigter wächst, schlecht entlohnte Teilzeitbeschäftigung Vollzeitjobs verdrängt, die Drohung der Betriebsverlagerung zu Lohnkürzungen angewandt wird und die hohe Arbeitslosigkeit hohe Lohnforderungen der Gewerkschaften erschwert.
Echte Lohnerhöhungen sind daher in den letzten Jahren mit der Lupe zu suchen! Auf dem Lohnzettel finden sich zwar meist höhere Beträge als in den Jahren davor, aber unter Berücksichtigung der Teuerung sowie nach Abzug von Steuern, Gebühren und Abgaben (realer Nettolohn), zeigt sich, dass viele Löhne in den letzen Jahren tatsächlich gesunken sind! Im Vergleich zu 1995 sind heute viele Menschen viel ärmer.
Die Produktion pro Kopf ist seit 1995 um mehr als 15% gestiegen. Der dafür bezahlte Bruttolohn ist aber real fast gleichgeblieben. Die Lohnabhängigen verdienen heute damit unter Einbeziehung der Abgabenerhöhung der letzten Jahre real weniger als 1995.
Auch wenn immer wieder argumentiert wird, dass die Löhne in Österreich so hoch seien, so liegt die Entwicklung der realen Lohnkosten in Österreich unter dem EU-Durchschnitt. Selbst im internationalen Vergleich hat Österreich ein schwaches Lohnwachstum. Von 2001 bis 2005 wuchsen die Lohnkosten jährlich sogar nach Deutschland und Malta am drittschwächsten!

Arm und Reich

Armut ist bekanntermaßen auch weiblich. Die untersten zwei Drittel der Fraueneinkommen (1,1 Millionen) machen mit 10,7 Milliarden Euro genau so viel aus wie die Einkommen der obersten fünf Prozent der Männer (101.000). Eine Frau erhält nach wie vor nur etwas mehr als zwei Drittel (69,2%) des Lohns eines Mannes. Dementsprechend ist einschließlich Überstundenentgelt in Österreich auch die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern innerhalb der EU 15 am höchsten.

Gewinne steigen

Wirklich reich an unserer Verarmung werden aber die Unternehmen. Die Gewinne von 324 von der AK Oberösterreich analysierten Firmen sind von 1994 bis 2003 in Summe um 91% gestiegen. Die Gewinnausschüttungen der selben Firmen stiegen im selben Zeitraum um 143%. Wir dürfen also für immer höhere Gewinnausschüttungen an die Reichen - denn wer sonst kann sich schon Aktien leisten - immer mehr für immer weniger arbeiten.
In genau diesen Unternehmen ging die Beschäftigung um 9% zurück und der Personalaufwand sank um 3,1 Prozentpunkte. Für diese Glanzleistung dürfen sich die ManagerInnen über saftige Gehaltserhöhungen freuen, 2004 alleine um durchschnittlich 13%.
Solch eine Gehaltserhöhung hätten wir auch gerne einmal und bedenken dabei noch gar nicht mit, dass ManagerInnen im Durchschnitt schon das 13-fache der Beschäftigten verdienen.
Fazit: Während Gewinne und Dividenden steigen, sinken Beschäftigung und Löhne.

Die komplette Presseunterlage, auf der dieser Text basiert, mit allen von der AK Oberösterreich erhobenen Fakten, findet sich hier.