Eine Nachlese: Betriebsversammlung

Die beiden Teilbetriebsversammlungen am 30. November und 1. Dezember 2005 haben wieder einmal ein gutes Stimmungsbild über die Wünsche und Beschwerden, Kritiken und Probleme in der Gesamtheit unserer KollegInnen ermöglicht. Grund genug, die zentralen Diskussionsthemen hier etwas eingehender zu beleuchten und damit auch all jenen, die leider nicht die Möglichkeit zur Teilnahme an der Betriebsversammlung hatten, die Chance zum Einstieg in eine Reihe zentraler Diskussionen zu geben.

 

Arbeitszeit

Wie nicht anders zu erwarten, spielt die Diskussion über Veränderungen in der Arbeitszeit eine zentrale Rolle in der geplanten neuen Betriebsvereinbarung. Auch die KollegInnen selbst haben hier eine Reihe von Wünschen und Anregungen, die es in der Betriebsratsarbeit zu berücksichtigen gilt.
Klar ist, dass die Geschäftsführung den Beginn des Gleitzeitrahmens (also des Zeitraumes innerhalb dessen ohne Überstundenzuschläge gearbeitet werden kann) von 7 auf 6 Uhr vorverlegen will. Dies entspricht auch dem Wunsch einiger KollegInnen, welche bereits früher zu arbeiten beginnen wollen.
Viele KollegInnen wünschen sich als Ausgleich dafür aber auch eine Vorverlegung des Endes des Gleitzeitrahmens von derzeit 22 Uhr auf 20 Uhr.

Neues Arbeitszeitmodell für das mobile Pflegepersonal

In der mobilen Pflege soll ja mit Anfang Februar ein Zweischichtendienstzeitmodell (6-14 und 12-20 Uhr) eingeführt werden. Dieses wird von vielen KollegInnen abgelehnt, da sie nach langen Jahren im Schichtdienst im Krankenhaus endlich einmal regelmäßige Arbeitszeiten wollen, zumeist aus persönlichen Gründen.
Mehr als verständlich, wie wir meinen, auch wenn selbstverständlich alle Beteiligten bereit sind, dabei auf die Interessen der PatientInnen Rücksicht zu nehmen.
Gleichzeitig sollen mit diesem Modell verpflichtenden Dienste an Samstagen und Sonntagen eingeführt werden. Die Dienste an diesen Tagen wurden bisher - zumindest in der Theorie - freiwillig gemacht. Damit würde für eine weitere Berufsgruppe im FSW die 7-Tage-Woche eingeführt, auch wenn die Arbeitszeit an diesen Tagen weiterhin als Überstunden ausbezahlt werden würde. Das mobile Pflegepersonal hätte also im Jahresdurchschnitt damit deutlich mehr als eine 40-Stunden-Woche.
Die Gefahr, die wir in diesem Zusammenhang sehen, ist, dass dadurch Scheunentore für die Einführung der 6- oder gar 7-Tage-Woche auch in anderen Bereichen des FSW geöffnet würden. Schauen wir nur auf den Handel, wo es auch mit einer Stunde Verlängerung der Öffnungszeiten am Abend begonnen hat und heute manche Geschäfte schon fast rund um die Uhr offen halten.

Jahresprämie

Auch heuer wieder wird es für alle KollegInnen im FSW eine Jahresprämie in Höhe von Euro 300,-- brutto geben. Zumindest in der Theorie, sagen viele KollegInnen. Denn in der Praxis werden viele KollegInnen Abzüge haben, da heuer bereits Krankenstände von mehr als 5 Tagen (2004: 17 Tage, zuvor: keine Abzüge) im Jahr in Abzug gebracht werden. Ist es generell üblich so wenig krank zu sein? Wir meinen, dass damit der Druck trotz Krankheit zum Dienst zu erscheinen noch weiter steigt; und der ist im FSW ohnedies schon enorm.
Viele KollegInnen haben insbes. kritisiert, dass es für Krankenstände überhaupt zu Abzügen kommt, da mensch ja schließlich nicht freiwillig in Krankenstand geht. Und das neue Modell wird laut dieser Meinung auch bei viel mehr KollegInnen als früher zu Abzügen führen, was rein rechnerisch sicher der Wahrheit entspricht.
Viele KollegInnen aus dem 'alten' FSW haben auch kritisiert, dass es überhaupt Abzüge gibt, da dies früher nicht der Fall war und damit quasi Gewohnheitsrecht sei. Weiters wurde kritisiert, dass nun bereits im zweiten Jahr hintereinander keine Erhöhung der Prämie erfolgt, wohingegen es früher jährlich Steigerungen gegeben hat.

Was noch?

Neben diesen großen Brocken wurde eine Fülle weiterer Themen angesprochen, die die KollegInnen bewegen.
Dazu zählt etwa die Parkbewilligungsregelung für KollegInnen im Außendienst, die ständige Übersiedlerei einer Fülle von Abteilungen, das krank machende Raumklima in der Guglgasse, unzureichende Dienstposten, die Nichtdurchführung der für Herbst 2005 versprochenen Wiederholung der MitarbeiterInnenbefragung v.a. aber auch die ungerechte und undurchschaubare Gestaltung von Löhnen für Privatangestellte, enorm hohe Leitungsgehälter im Privatbereich, die kurze Verweildauer von KollegInnen im FSW und die Verzögerungstaktik der Geschäftsführung bei den Verhandlungen zur Betriebsvereinbarung.

Fazit

Wir meinen, dass es nun dringend wirklich eine Betriebsvereinbarung braucht. Sollte die Geschäftsführung weiterhin bei den Verhandlungen auf Zeit spielen, müssen Betriebsrat und Belegschaft zeigen, dass es so nicht mehr weiter gehen kann.