Kommentar der Redaktion Qualitätszirkel - Chance oder Ablenkungsmanöver?

 

Als Reaktion auf die Ergebnisse der MitarbeiterInnenzufriedenheitsbefragung im Herbst 2004 hat die Geschäftsführung mittlerweile eine Reihe Qualitätszirkel eingerichtet. Qualitätszirkel können zu einer Verbesserung des Arbeitsklimas beitragen. Sie sollten daher von Belegschaft und Betriebsrat auch möglichst gut zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsklimas genutzt werden.
Wir würden hier allerdings ein Modell der MitarbeiterInnenmitbestimmung, wie es derzeit in einer Reihe von Betrieben in den Niederlanden verwendet wird, vorziehen. Dieses schließt die demokratische Mitbestimmung auf allen Ebenen inklusive von Abstimmungen und der Wahl von Vorgesetzten ein. Wir glauben daher, dass es zusätzlich zu den inhaltlichen Diskussionen in den Qualitätszirkeln erforderlich ist, Regeln für die Umsetzung der Ergebnisse ihrer Arbeit festzulegen. Dies könnte etwa einschließen, dass die Mitglieder eines Qualitätszirkels in diese eingebunden werden.
Die Qualitätszirkel sind derzeit eine Tatsache im FSW, ob wirkliche Mitbestimmung der Beschäftigen erwünscht ist, wird sich noch zeigen; jedenfalls nicht erwünscht oder noch nicht umgesetzt ist sie im höchsten Gremium des FSW - dem Kuratorium - wo der Betriebsrat noch immer keine Stimme hat. Wir sollten daher auch die Qualitätszirkel so gut wie möglich nutzen, um unser aller Anliegen gemeinsam zu vertreten.
Die Qualitätszirkel befassen sich derzeit fast ausschließlich mit Fragen der Kommunikation. Auch dies ist ein wichtiges Thema, wo sicherlich einiges verbessert werden kann. Manche von MitarbeiterInnen gewünschte wichtige Themen werden aber nicht in Qualitätszirkeln behandelt. Dabei handelt es sich z.B. um: Gehaltsschema für Privatangestellte, wachsender Arbeitsdruck, Fragen zur Arbeitszeit, Unzufriedenheit mit Strukturen bzw. Vorgesetzten, Ausgliederung bzw. Privatisierung.
Einige dieser Themen wurden bei der ersten Veranstaltung zu Qualitätszirkeln auch von mehreren KollegInnen als Inhalte für eigene Qualitätszirkel eingefordert. Solange diese wirklich heißen Eisen aus der Sicht der Beschäftigten nicht aufgegriffen werden, liegt für manche KollegInnen die Vermutung nahe, dass die Qualitätszirkel nichts anderes sind, als ein Ablenkungsmanöver, um die Belegschaft daran zu hindern, sich den wirklich brennenden Fragen zu stellen!
Wir fordern daher sowohl zusätzliche Qualitätszirkel zu den oben genannten und von der Belegschaft eingeforderten Fragestellungen als auch Transparenz und ein klares Prozedere bei den Qualitätszirkeln, um mittel- und langfristig Verbesserungen zu erreichen.