Die Plattform “Soziales in Wien”:
Solidarität hat viele Gesichter

 

In den letzten Wochen und Monaten hat es immer wieder Diskussionen über die Unterstützung der Plattform "Soziales in Wien" durch den Betriebsrat des FSW gegeben. Insbesondere wurde der Betriebsrat von der Geschäftsführung unter Druck gesetzt, diese unterbleiben zu lassen. Wir wollen daher hier unsere Position dazu darlegen.
Die Plattform "Soziales in Wien" ist ein Zusammenschluss von KollegInnen und BetriebsrätInnen aus rund 300 Betrieben; sie wird von drei Gewerkschaften (GPA, GdG, HGPD) unterstützt. Aus allen drei Gewerkschaften werden künftig KollegInnen im FSW arbeiten. Insgesamt handelt es sich bei den Anliegen der Plattform um die Arbeitsbedingungen von ca. 15.000 KollegInnen.
Ausgliederungen und Privatisierungen werden fast immer auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen; ihre Arbeitsbedingungen verschlechtern sich, was sich nicht zuletzt auch in der MitarbeiterInnenzufriedenheitsbefragung im FSW deutlich widergespiegelt hat. Ebenso kommt es zu einer Verringerung der Löhne oder einer Ausdehnung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, was viele nationale und internationale Beispiele eindrucksvoll belegen. Auch im FSW haben KollegInnen bereits erste Verschlechterungen am eigenen Leib erlebt.
Für viele KollegInnen ist es mehr oder weniger ein Zufall, in welchem Betrieb im Sozialbereich sie arbeiten. Nach Abschluss der Ausbildung bewerben sie sich bei einer Fülle von Firmen und bekommen dann irgendwo einen Job. Insofern sind alle Beschäftigen in diesem Bereich KollegInnen, egal ob sie beim Betrieb X, der Gemeinde oder dem FSW beschäftigt sind. Genau so droht allen Beschäftigten in diesem Bereich die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Dieser Gefahr können wir uns nur gemeinsam betriebsübergreifend entgegenstellen.
Weiters sind die Fülle von kleinen Betrieben im Sozialbereich ebenso wie der geringe Anteil von Gewerkschaftsmitgliedern Ursachen für die hier herrschenden großteils schlechten Arbeitsbedingungen. Wie sich immer wieder zeigt, können große Belegschaften ihre Interessen viel wirkungsvoller durchsetzen, was sich z.B. an viel besseren Arbeitsbedingungen in der Industrie widerspiegelt. Und im Vergleich zu dieser ist auch der FSW ein kleiner Betrieb.
Daher wird es nur gemeinsam, mit den KollegInnen in allen anderen Betrieben, möglich sein, die Verschlechterung unserer Arbeitsbedingungen zu verhindern oder gar Verbesserungen zu erreichen. Für unseren Betrieb gilt beispielsweise noch immer kein Kollektivvertrag.
Die Plattform "Soziales in Wien" ist ein erster Ansatz für solch eine Vernetzung - um gemeinsam mehr zu erreichen. Dass das einigen Geschäftsführungen nicht passt, ist klar - stärkere Belegschaften sind nicht immer erwünscht.
Gleichzeitig müssen wir heute schon jenen unsere Solidarität zukommen lassen, die uns morgen ihre geben werden. Die grundsätzliche Solidarität der Lohnabhängigen, insbesondere in einer Branche, ist einer der wenigen Schutzmechanismen, die wir Beschäftigen gegen Verschlechterungen haben.
Um so unverständlicher ist es für uns, dass die Mehrheit des Betriebsrates derzeit eine offene Unterstützung der Plattform ablehnt, da "diese das Gesprächsklima mit der Geschäftsführung verschlechtern könnte". Selbstverständlich wollen auch wir ein gutes Gesprächsklima zur Geschäftsführung. Wir wissen auch, das die Parteiergreifung für unsere KollegInnen nicht immer die ungeteilte Zustimmung von Vorgesetzten findet und damit das Gesprächsklima beeinträchtigen kann. Jedenfalls darf nicht nur "um das gute Gesprächsklima zu erhalten" auf berechtigte Anliegen von KollegInnen verzichtet werden.
Wenn KIV und LuB meinen, dass die Belegschaft zu wenig vorbereite sei, um z.B. zu einer gemeinsamen Betriebsversammlung einzuladen, dann liegt dass auch daran, dass sie selbst die Weitergabe wichtiger Informationen an die Belegschaft zu diesen Fragen verhindern (Newsletter der Plattform). Wenn sie meinen, die Belegschaft sei dafür nicht reif, dann denken wir, dass die KollegInnen selbst entscheiden sollen, wozu sie bereit sind und wozu nicht, was sie lesen wollen und was nicht; aber das erfordert die Wahlmöglichkeit, die es derzeit auf Grund der Position der Betriebsratsmehrheit nicht gibt. Gleichzeitig ist die Belegschaft des FSW viel interessierter an Fragen der Arbeitsbedingungen und sind ihr auch grundsätzliche Fragen der Solidarität ein größeres Anliegen, als andere politische Kräfte zu wissen glauben.
Daher werden wir im Betriebsrat weiterhin für eine Unterstützung des solidarischen Vorgehens aller Beschäftigen im Wiener Sozialbereich eintreten. Als fsg gemeinsam aktiv werden wir weiterhin über unsere Medien Informationen über die Plattform "Soziales in Wien" weiter geben und diese unterstützen! Wir glauben, dass Transparenz und Informationen zur eigenen Meinungsbildung auf Grund von Fakten demokratische Grundwerte sind und allfällige solidarische Erfolge (z.B.: Kollektivvertrag) erst ermöglichen.
Alle interessierten KollegInnen können sich gerne bei uns melden, um in Zukunft Informationen der Plattform weiter gemailt zu bekommen, so dass sie sich selbst ein Bild machen können, ohne Vorauswahl durch den Betriebsrat, die Geschäftsführung oder wen auch immer. Die Newsletter der Plattform können auch direkt hier bestellt werden.